Kiefergelenkerkrankungen - CMD - Therapie

Funktionsstörungen des Kausystems

Probleme mit dem "Biß" können zur Verlagerung der Kiefergelenke führen. Schon vor über 30 Jahren wurde von Prof. Gerber nachgewiesen, daß dadurch z. B. Kopfschmerzen, migräneartige Beschwerden, Tinnitus und Schwerhörigkeit ausgelöst werden können. Auch Verspannungen im Nacken- und Schulterbereich, Rückenschmerzen und weitere orthopädische Probleme können ihre Ursache im Zahnbereich haben. Im deutschen Sprachraum wird dieses Krankheitsbild häufig als "CMD" (Craniomandibuläre Dysfunktion) bezeichnet, im englischen Sprachraum wird es "TMJ" genannt. Auch nächtliches Zähneknirschen / Bruxismus und Kiefergelenkknacken zählen zu den so genannten "Funktionsstörungen des Kausystems. Immer wieder berichten uns Patienten, daß ihre Beschwerden kurz nach Zahnbehandlungen erstmalig aufgetreten sind. Zufall?


CMD - Behandlung: Ein Buch mit 7 Siegeln?

Zur Entstehung der craniomandibulären Dysfunktion gibt es viele Theorien - und eine noch größere Anzahl von Therapieansätzen. Dies deutet darauf hin, daß man die tatsächlichen Zusammenhänge bis heute erst teilweise erkannt hat. Nach herkömmlicher Lehrmeinung handelt es sich bei CMD um ein "multikausales" Krankheitsbild, dessen genaue Ursachen im Dunkeln liegen und bei dem Streß und Psyche eine große Rolle spielen.


Klassische Verfahren zur Diagnostik der Gelenkfehlstellung Bei der manuellen Strukturanalyse werden die Schmerzen des Patienten in verschiedenen Gelenkstellungen untersucht. Daraus lassen sich Rückschlüsse auf die am Schmerz beteiligten Gewebe und damit die Fehlstellung ziehen.


Bildgebende Verfahren, insbesondere das MRT (Magnetresonanztomographie) bilden Knochen und Weichgewebe ab. Sie zeigen z. B. den verlagerten Gelenkknorpel und geben so Hinweise auf den Gelenkschaden.


Die TENS-Methode (transkutane Elektrostimulation) versucht, die Kaumuskulatur durch kleinste elektrische Impulse zu entspannen, um beim Bißregistrat eine optimale Stellung des Kiefergelenks zu erhalten.


Ein großer Schwachpunkt herkömmlicher Methoden zur CMD-Diagnostik liegt darin, daß sie keine konkreten Werte für die "richtige" Bißlage liefern - oder im Falle der Muskelentspannung nicht reproduzierbar sind. Somit gleicht die herkömmliche Schienenbehandlung einem Blindflug, bei dem man hofft, daß das Kiefergelenk durch Entspannung der Kaumuskulatur und regelmäßiges Einschleifen der Schiene allmählich von selbst in seine "richtige" Lage findet. Geht die Schiene verloren oder kaputt, ist die mühevoll eingeschliffene Bißlage unwiderbringlich verloren und man fängt wieder bei Null an.


Oft bemüht sich ein ganzes Netzwerk aus Therapeuten - Zahnarzt, Physiotherapeut, Orthopäde, Osteopath, abgerundet mit Akupunktur und Homöopathie um den Patienten. Zahlreiche und z. T. aufeinander abzustimmende Behandlungstermine bedeuten für den Patienten einen erheblichen Zeitaufwand. So wird oft empfohlen, daß der Patient unmittelbar nach der Physiotherapie seinen Zahnarzt aufsuchen soll, um die Schiene einschleifen zu lassen.


Computergestützte Diagnostik der Biomechanik des Kiefergelenks

Computergestützte Einstellung der Kiefermodelle im Freecorder BlueFox Fakt ist: Das Kiefergelenk ist im Vergleich zu anderen Gelenken sehr klein und bereits geringe Lageveränderungen, hervorgerufen durch Veränderungen an den Zahn-Kauflächen - im Zehntelmillimeter-Bereich - können urplötzlich CMD-Symptome auslösen. Wie der Fachbereich der Endodontie eindrucksvoll zeigt, werden durch die Nutzung der hohen Vergrößerung des Operationsmikroskops neuartige Behandlungsmethoden und bessere Behandlungserfolge ermöglicht. Somit liegt es sehr nahe, bei der Behandlung kleiner Objekte mit Vergrößerung zu arbeiten.


Das "Mikroskop" bei der Kiefergelenk-Therapie ist die elektronische 3D-Gelenkbahnvermessung (Axiographie). Diese erfolgt optisch mit digitalen Videokameras (OHNE Röntgenstrahlung!). Dadurch werden die Bewegungsabläufe der Kiefergelenkköpfchen visualisiert und man erkennt bereits kleine Abweichungen vom Normalzustand, die sich durch Abtasten gar nicht feststellen lassen. Eine sehr aufwendige 3D-Analyse der Bewegungsdaten (Kondylenpositionsanalyse, CPA) liefert wertvolle Hinweise auf die (Fehl-)position der Kiefergelenkköpfchen (Kondylen).


Daraus resultieren exakte Werte für die therapeutische Schienenposition auf Basis von hoch präzisen Messungen. In unserer Praxis wird dafür der Freecorder Bluefox verwendet.


Computergestützte CMD - Therapie

Mit einer anhand der Meßdaten konstruierten biodynamischen Aufbißschiene werden die Kiefergelenke direkt in ihre natürliche Position bewegt. Der Zahntechniker erhält dafür ein Set von 16 Parametern, die bei der computergestützten Positionierung der Bißlage und der Justierung des Artikulators (Kausimulators) einzustellen sind. Diese labortechnisch aufwendige Methode bedeutet für den Patienten nur wenige Termine, da die Schiene grundsätzlich nicht "eingeschliffen" wird.


Eine richtig konstruierte Schiene zeigt schnell therapeutische Wirkung: Innerhalb von nur 1 bis 2 Wochen sollte eine deutliche Verringerung der Symptome festzustellen sein, ansonsten müssen Diagnose und Positionierung überprüft werden.


Wir schleifen Aufbißschienen nie im Mund ein, dies wäre wegen der Muskelreflexe viel zu ungenau und wegen der erforderlichen hohen Präzision im 10-Mikrometerbereich extrem zeitintensiv. Bei Bedarf wird die Bißlage auf Grundlage der Meßdaten computergestützt modifiziert und im Dentallabor eine neue Schiene in korrigierter Position angefertigt. Dadurch ist jeder Behandlungsschritt exakt reproduzierbar. Für gut Vorinformierte: Wir arbeiten weder nach dem DROS-Konzept noch mit dem IPR-oder DIR System!


Unterstützend können die verspannte Muskulatur mittels Physiotherapie gelockert und blockierte Gelenke vom Physiotherapeuten bzw. Osteopathen gelöst werden, um den Heilungsverlauf zu beschleunigen.


Wie geht es nach der CMD - Therapie weiter?

Wenn sich die Schienen-Bißlage bewährt hat, kann man sie 1:1 in TableTops, Führungsveneers, Teilkronen oder Kronen bzw. Zahnersatz übertragen. Dadurch ist es nicht notwendig, eine Schiene jahrelang als "Dauerlösung" zu verwenden.


Bei Besserung des Beschwerdebildes und geplanter restaurativer Behandlung (Inlays, TableTops, Teilkronen, Kronen etc.) wird ein funktionelles und ästhetisches Wax-Up hergestellt. Es dient als Grundlage für die detaillierte Behandlungsplanung zur minimal-invasiven Rekonstruktion der erzielten stabilen Bißlage. Wir bevorzugen eine 1:1 Übertragung der Schienenposition in die definitive Versorgung. Aufwendige Zwischenschritte, wie z. B. geklebte Kunststoffteile als "festsitzende Schiene" sind in unserem Behandlungskonzept nicht erforderlich, auch auf Langzeitprovisorien kann oft verzichtet werden.